Von Sascha Bahl. Kreistagsabgeordneter und Vorstand im Kreisverband Bergstraße

Ein frontal-Beitrag mit Mirko „MrWissen2go „ Drotschmann und sein darin verlinktes Video über das Rentensystem hat mich richtig geärgert, obwohl ich diese Formate sonst feiere.

In dem Beitrag wird z.B. der Eindruck vermittelt, dass durch eine staatlich geförderte Einlage in einen Aktienfond das Geld bis zum Rentenalter vervielfacht werden kann. Diese Lösung des CDU Abgeordneten Kai Whittaker würde zur Lösung des Demografieproblems beitragen, nämlich dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssten.

Jetzt ist es nur so, dass solche Vorschläge überhaupt nicht dazu geeignet sind um ein Demografieproblem zu lösen, weil das Prinzip dahinter genau das Gleiche ist, wie bei der staatlichen umlagefinanzierten Rente. Auch mit einem staatlich verwalteten Aktienfond werden die Renten aus dem laufendem Volkseinkommen finanziert. Monat für Monat muss dieser Fond dann Aktien zu Geld machen um Renten auszahlen zu können. Die Aktien werden also aus dem Einkommen des Käufers erworben. Und mit den Beitragszahlungen werden wieder neue Aktien gekauft.

Der Vorschlag des CDU Abgeordneten Whittaker ist allerdings noch stumpfer. Er setzt darauf, dass der Staat bei der Geburt 4.000 Euro in einen Fond anlegt und daraus dann bis zur Rente 200.000 Euro werden. Das ist sehr kurz und ziemlich naiv gedacht, wird aber dennoch fast nie korrekt hinterfragt. Werden nämlich diese 200.000 zum Renteneintritt ausgezahlt, wird dieser Betrag ja auch wieder aus dem laufenden Volkseinkommen erbracht. Denn die Aktien müssen ja wieder an jemanden verkauft werden. Also, irgendjemand zahlt immer für die Renten.

Es gibt aber noch einen gewaltigen Haken bei dieser Art der Anlage für die Rente: die steigende Sparquote! Im Prinzip wird Geld, welches auf den Aktienmärkten platziert wird, gespart. Dieses Geld steht dann für den Konsum nicht mehr zur Verfügung. Dadurch verringert sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auch das wirtschaftliche Ergebnis der Volkswirtschaft. Die wirtschaftliche Entwicklung wird ausgebremst, der Wohlstand bleibt zurück.

Das Prinzip der arbeitsteiligen Gesellschaft wird zudem fundamental in Frage gestellt. Wir nutzen unsere Arbeitskraft um Güter, Waren und Dienstleistungen herzustellen und schaffen aus dieser Produktion Einkommen, das wir dazu verwenden um diese Güter, Waren und Dienstleistungen wiederum zu konsumieren. Wenn wir einen Teil dieses Einkommens nun aber zurückhalten, weil wir es sparen wollen, gibt es ein Problem. Aufgrund der sinkenden Nachfrage, denn die wird ja gespart, sinkt die Produktion. Damit werden weniger Arbeitskräfte gebraucht. Die nun Arbeitslosen können nicht sparen. Die verbliebenen Arbeitnehmer verwenden einen größeren Teil ihrer Arbeitskraft um die nun Arbeitslosen zu versorgen. Aufgrund der Arbeitslosigkeit sinken die Löhne und bremsen die Nachfrage weiter aus. Die Investitionen gehen zurück.

Die Auszahlung der aktienbasierten Rente hängt also sehr an der wirtschaftlichen Entwicklung, die jedoch durch ein vermeintliches Ansparen ausgebremst wird. Am Ende werden wir nichts gespart haben, sondern unsere Verluste zu beklagen haben. 

Ein weiterer Haken ist, dass wir eigentlich mehr Rentenbeiträge zahlen müssten um die aktuellen Renten zu finanzieren. Genau diese zusätzlich gebrauchten Beiträge sollen nun aber für die eigene Rente gespart werden. Und da ein kapitalgedecktes System für Verwaltung und Rendite jeden 4. eingezahlten Euro für sich beansprucht, müssen diese Zahlungen entsprechend viel höher sein, als wenn man beim staatlichen Umlageverfahren geblieben wäre. Warum wir die höheren Kosten dennoch in Kauf nehmen sollen liegt klar auf der Hand: Der Anteil an der Rente, die der Arbeitgeber zahlt, soll sinken!  

Wann werden das nur mal genug Menschen verstanden haben, damit wir dieses Thema endlich für alle Zeit abhaken können? Diese sinnlosen Vorschläge zur Reformierung der Rente hält uns davon ab, die wirklich sinnvollen Vorschläge zu diskutieren: Wir brauchen mehr Beitragszahler! Nicht nur Beamte und Selbstständige sollen einzahlten, sondern auch die Basis der Beitragszahler muss durch sinkende Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung verbreitert werden. Wer zudem im Niedriglohnsektor arbeitet kann wenig zur Rente beisteuern. Wenn ausserdem die Rentenbeitragszahlungen marginal steigen, auch für den Arbeitgeber, wäre das kein Weltuntergang. Das Geld kommt ja in Form von Nachfrage an unsere Arbeitsplätze zurück.

Quellen:

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