Wer leiht uns eigentlich Geld?

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Autor: Sascha Bahl

Vermeintlich seriöse Medien, wie z.B. die Tagesschau, streuen selbst Mythen und falsche Tatsachen, wenn es um das Thema Geld im volkswirtschaftlichen Maßstab geht. Behauptet wird dort u.a., dass der Staat sich Geld von vermögenden Bürgern leihen muss um während der Corona-Krise die Wirtschaft zu stützen. Nur, woher bekommt der Staat eigentlich so schnell so vermögende Leute her um sich mal eben eine halbe Milliarde Euro von ihnen zu leihen?

Warum kann die Regierung einen Haushalt verabschieden ohne vorher zu wissen, ob die Reichen bereit sind ihnen dieses Geld zu leihen?

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/coronavirus-hilfen-101.html


Nun, weil dieses gerne wiederholte Narrativ natürlich vollkommen Hanebüchen ist.


Das Geld wird selbstverständlich durch die EZB auf Verlangen erzeugt. Es ist kein knappes Gut, sondern wird durch Regeln und Gesetze erzeugt und so auch wieder vernichtet. Ja, es wird vernichtet, wenn der Staat mehr Einnahmen als Ausgaben erzielt und das Geld an die EZB zurückzahlt.
Was bedeutet es denn, wenn die herrschende Politik und die großen Medien behaupten, der Staat leihe sich Geld von jemanden? Nun, es wird zum einen das Gefühl von Schuld erzeugt und zum anderen weiß ja jeder aus seinem persönlichen Erfahrungen, dass man geliehenes Geld wieder zurückzahlen muss, weil es ja sonst jemanden fehlen würde.


Schliesslich verleihen ja Banken nur das Ersparte von jemanden anderes und der möchte sein Geld nunmal wiederhaben. Am besten mit Zins und Zinseszins. Aber auch dieses beliebte Narrativ ist so verbreitet, wie es falsch ist. Banken verleihen niemals das Geld von Sparern, sondern erzeugen das Geld für einen Kredit selbst aufgrund von Regeln und Gesetzen. Und sie vernichten dieses Geld auch wieder, wenn es zurückgezahlt wird.
Dies behaupten nicht etwa windige Verschwörungstheoretiker, sondern auch die Bundesbank selbst. Und die muss es ja wissen.


Und wem nutzt es nun, wenn diese falsche Vorstellung über unser Geldsystem weiterhin verbreitet wird? Den Leuten, die gerne lukrative staatliche Aufgaben für ihre eigene Profitmaximierung nutzen wollen. Wenn man den Leuten vorgaukelt, dass Schulden für einen Staat sehr schlecht sind und er deshalb stetig sparen muss, dann erscheint es irgendwann notwendig staatliche Aufgaben an Privatunternehmen zu veräussern. So wird dann die Gesundheitsversorgung in immer größerem Umfang privaten Unternehmen überlassen, die nach marktwirtschaftlichen Regeln arbeiten und nicht mehr das Gemeinwohl im Blick haben. Aktionäre interessieren sich nicht für ein Gemeinwohl, sondern für Rendite.


Private Kliniken können es sich nicht leisten Kapazitäten für Covid-Intensivplätze bereitzuhalten, weil sie mit oft unsinnigen Hüftprotesen Geld verdienen müssen. Daneben gibt es mindestens doppelt so viele Beatmungsplätze als es ausgebildetes Pflegepersonal gibt, die man ja vorher auch mies bezahlt hat um die Rendite zu steigern. Mal abgesehen von dem Pflegepersonal in der Altenpflege, die schon weit über der Belastungsgrenze arbeiten müssen, weil ihre meist billigeren KollegInnen aus Osteuropa nicht mehr einreisen dürfen oder in ihren Heimatländer nun mehr gebraucht werden.


Den Profiteuren nun aber eine böse Absicht zu unterstellen, bildet bei weitem nicht die tatsächliche Komplexität wider. Sicher gibt es auch Menschen, die wissen, wie das alles funktioniert aber zu ihrem Vorteil andere Behauptungen aufstellen. Aber den meisten wird einfach die Behauptung genug nutzen, ohne wissen zu müssen, wie das System nun tatsächlich funktioniert. Oder sie glauben einfach, sie wüssten es. Solange es für sie funktioniert, wird es nicht in Frage gestellt.


Tja, da kann man nur hoffen, dass sich gerade jetzt in der Krise mehr Menschen fragen werden, woher denn Geld kommt und ob denn eine Schuldenbremse tatsächlich irgendwem nutzt oder sich gerade jetzt in der Krise der Sinnhaftigkeit entzieht. Wenn der Staat niemanden etwas wegnehmen muss um Schulden für eine Schule oder Krankenhaus zu erzeugen – warum bauen wir nicht einfach was wir brauchen?


Am Ende kommt man darauf, dass der limitierende Faktor für Handlungen des Staates nicht das Geld ist, sondern nur die Ressourcen, wie Böden, Rohstoffe und Arbeitskräfte. Denn diese sind nunmal wirklich endlich und müssen unter den Wirtschaftsakteuren aufgeteilt werden. Je weniger sich davon der Staat sichert, desto mehr bleibt für die Unternehmen und deren Profite.


Hat man das mal verstanden, ergeben sich unendlich viele Fragen und damit die Grundlage für Veränderungen.

Geschrieben von Sascha Bahl nach einer Inspiration der Pufendorf Gesellschaft und der Tagesschau.

Pufendorf-Gesellschaft:
https://www.pufendorf-gesellschaft.org/post/verstehen-wir-unser-eigenes-geldsystem-nicht?fbclid=IwAR1Tl5ORKC46_vrvdY8XzlYnpSds01kLel1dj69uX9GJs-q6GB2yUcAwRqs

Der Tagesschau-Beitrag:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/coronavirus-hilfen-101.html

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